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Gedanken über die Vereinbarkeit von Naturwissenschaft und Sinnsuche
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-DerSinnsucher-



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Gedanken über die Vereinbarkeit von Naturwissenschaft und Sinnsuche, 11 Dec. 2008 08:04


DER SINNSUCHER


GEDANKEN ÜBER DIE VEREINBARKEIT VON
NATURWISSENSCHAFTEN UND SINNSUCHE

STEPHEN HAWKING schreibt in seinem Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit: „Wenn wir jedoch eine vollständige Theorie (so genannte „Weltformel“) entdecken, dürfte sie nach einer gewissen Zeit in ihren Grundzügen für jedermann verständlich sein, nicht nur für eine Handvoll Spezialisten. Dann werden wir uns alle - Philosophen, Naturwissenschaftler und Laien- mit der Frage auseinandersetzen können, warum es uns und das Universum gibt (Seite 218).“ Und – eine Seite davor – „Die übliche Methode, nach der die Wissenschaft sich ein mathematisches Modell konstruiert, kann die Frage, warum es ein Universum geben muss, welches das Modell beschreibt, nicht beantworten. Warum muss sich das Universum all dem Ungemach der Existenz unterziehen? ... Bislang waren die meisten Wissenschaftler zu sehr mit der Entwicklung neuer Theorien beschäftigt, in denen sie zu beschreiben versuchten, was das Universum ist, um die Frage nach dem Warum zu stellen.“
Hier fragt also ein herausragender Wissenschaftler nach dem Sinn (des Ganzen).
Offensichtlich gehört das Verlangen nach einem Lebenssinn zu den Grundtrieben der Menschen. Dieses Verlangen ist nach meiner Ansicht ein naturwissenschaftliches Faktum!
Ein sinnloses Leben ist fade und nicht lebenswert.
Leben ohne Sinn ist vegetieren.
Flucht in [BAD]uelle Ausschweifungen oder drogeninduzierte Rauschzustände befriedigt nur temporär. Immer drängt sich die emotionale Leere in den Vordergrund.
Aber warum braucht der Mensch einen Lebenssinn?
Er ist nicht zum Überleben wichtig und nicht zur Arterhaltung.
Was bedeutet uns Zufriedenheit, Gesundheit und angenehme Lebensumstände, die Abwesenheit von Hunger und Durst? Wir brauchen auch Erfolgserlebnisse, besonders im Umgang mit anderen Menschen, Geborgenheit und Achtung in der Familie, Erfolg im Beruf usw.
Dies alles beschert uns Wohlgefühle, der Mangel daran Missmut. Naturgemäß verständlich, denn mit diesen Gefühlen wird unser physisches Überleben gesteuert.
Doch die Sehnsucht nach einem Sinn des Lebens ist weder lebens- noch arterhaltend.
Sie ist ein Luxus, wenn nicht doch mehr dahinter steckt. Sie ist eine Aufforderung zur permanenten Suche (siehe HAWKING). Also, lasst uns nach der wahren Bedeutung dieses Begehrens intensiv forschen!


Unser Weltbild bleibt unvollkommen, wenn dieses Faktum nicht geklärt wird -auch nach dem Herausfinden der so genannten „Weltformel“ (diese beschriebe uns die Funktion des Universums, aber nicht seinen Sinn).
Selbst maßgebende Naturwissenschaftler bedauern zutiefst, dass das Universum, mithin die Existenz des Menschen –scheinbar- ohne Sinn ist.
Der führende Astro- und Kernphysiker, Nobelpreisträger STEVEN WEINBERG: „Je begreiflicher uns das Universum wird, umso sinnloser erscheint es auch“(aus dem Buch „Die ersten 3 Minuten“).
In einem SPIEGEL- Gespräch (Nr.30/1999) konstatiert er: „Die Frage, warum es uns gibt, hat DARWIN beantwortet –allerdings nur als Folge von Ursache und Wirkung, welchen Sinn unsere Existenz hat, konnte er nicht sagen. Wahrscheinlich ist die Frage ihrerseits sinnlos, weil es keinen Sinn gibt.
Die Weltformel wird mit uns Menschen nichts zu tun haben. Sie wird uns die Welt kalt und unpersönlich erscheinen lassen. Wir können uns selbst einen Sinn geben – in der Natur werden wir ihn nicht finden.
Der renommierte Physiker JAMES TREFIL: „Wenn es in vielen Millionen Jahren kein Leben, keine Intelligenz und keine Erinnerung an die Unternehmungen der Menschen mehr geben soll, was ist dann der Sinn der Existenz?“ (aus „Die Astrophysik der dunklen Materie“, Seite 233)
Der namhafte Biologe EDWARD O. WILSON: „Der Mensch braucht heilige Mythen. Er muss das Gefühl haben, dass es einen höheren Sinn für alles gibt“ (aus: „Die Einheit des Wissens“, Seite 352).
Der hoch angesehene australische Physiker PAUL DAVIES: „Nicht um der intellektuellen Aufklärung willen wenden sich die Menschen den irrationalen Kulten zu, sondern weil sie in einer kalten und ungewissen Welt von ihnen Seelentrost erhoffen. … Die Suche nach einem tieferen Sinn des Lebens dauert an. … Auch Naturwissenschaftler suchen nach einem Sinn (aus „Gott und die moderne Physik“, Seite 19/20).
Noch mal DAVIES: „Die Existenz des Geistes als abstraktes, holistisches Organisationsmuster, dass sogar von Körper abtrennbar ist, widerlegt die redaktionistische Philosophie, der zufolge wir alle nichts sind als sich bewegende Ansammlungen von Atomen.“ (ebenda, Seite 294)
Er gibt der Hoffnung Ausdruck „...dass wir die Welt unter allen Aspekten verstehen… und eines Tages uns selbst und den Sinn verstehen, der hinter diesem Universum liegt, in dem wir daheim sind“ (Seite 294).
PAUL DAVIES weist auf RICHARD DAWKINKS hin, der mit Enttäuschung und Bedauern sagte: „Hier sind Überlebensmaschinen, Roboter, blind programmiert zur Erhaltung der selbstsüchtigen Molekühle, die Gene genannt werden.“ DAVIES zitiert auch die traurige Bemerkung von JAQUES MONOT: „Der Mensch weiß endlich, dass er in der teilnahmslosen Unermesslichkeit des Universums allein ist.“



Der umstrittene und mit sich zerstrittene – dennoch bedeutende – Philosoph LUDWIG FEUERBACH beklagte: „…die Einsamkeit, Verlorenheit, Endlichkeit und Sterblichkeit des Individuums.“ Ihm erscheint die Macht des Todes als eine blinde, kalte und gefühllose Macht, der es gleichgültig ist, ob sie den Würdigen oder Unwürdigen hilft.
Warum suchen wir nach dem Sinn des Lebens?
Warum fühlen wir uns ohne Antwort unwohl und trostlos?
Es geht hier um Emotionen und die spielen bei der Suche nach einer Welterklärung keine Rolle? Wirklich?
Hören wir noch einmal STEVEN WEINBERG (DER SPIEGEL 30/1999, Seite 103), er setzt bei der Beurteilung von physikalischen Theorien auf Empfindungen: „Wenn Sie sie als schön empfinden, dann ist es wahrscheinlich, dass sie auch wahr ist.“ Und PAUL DIRAC (PAUL DAVIES, Seite 283) bemerkt: „Es ist wichtiger, dass die Gleichungen schön sind, als dass sie zu den Experimenten passen. Es hat den Anschein, dass man sich auf dem Weg zum sicheren Fortschritt befindet, wenn man danach trachtet, schöne Gleichungen zu bekommen.“
Das Schönheitsgefühl ist also ein entscheidender Indikator der physikalischen Forschung. Die Unzufriedenheit über den fehlenden Lebenssinn aber kein wichtiger Faktor? Das bestreite ich!
Warum fällt uns das Sterben so schwer, wenn wir keinen tieferen Sinn des Lebens, des Weltgeschehens erkennen? (s. „Letzte Worte großer Persönlichkeiten“)
Dieser Unfrieden – nicht die verständliche Angst vor einem vorzeitigen und evtl. schmerzhaften Sterben – ist biologisch nicht erklärbar.
Die Natur ist in der Lage, mit Hilfe von ENDORPHINEN jederzeit Zufriedenheit zu erzeugen. Ja, Endorphine können jede (!) Lebenssituation zum Genuss werden lassen, auch ein Leben ohne Sinn.
Wenn uns dennoch das Wohlgefühl vorenthalten wird, hat das eine Bedeutung:
Die Sehnsucht nach dem Lebenssinn ist uns eingegeben, um nach ihm zu suchen! Die Angst vor dem Tode ist Teil der natürlichen Überlebensstrategie.
Der Wunsch nach einem Weiterleben nach dem Tode, das Verlangen nach dem “Ewigen Leben“ (Geistes-Leben) läuft dieser Strategie aber zuwider, denn er vermindern die Todesangst.
Menschen, welche sagen: „Ich genieße das Leben und alles andere ist mir einerlei, “ machen sich selbst etwas vor. Hedonismus endet in Frustration; das Genießen wird im Alter immer schwieriger. Der Hedonist verbittert zunehmend und erfährt das Leben als Zumutung. Manche glauben ihren Lebenssinn in politischen oder ökonomischen Aktivitäten gefunden zu haben. Am Ende kommen dann regelmäßig Zweifel am Sinn ihres Tuns.
Wenn die Sinnsuche solch eine immense Triebkraft hat, wozu soll sie gut sein?
Was ist ihr natürlicher Zweck?

Sehr viele Menschen, denen das mechanistische Weltbild des 19.Jahrhunderts noch immer Maßstab ist, meinen, dass eine Sinnsuche zwecklos sei; man müsse sich damit abfinden, dass es keinen Sinn gibt und das Universum sinnfrei funktional nach den Naturgesetzen abläuft. Diese ihre Erkenntnis finden sie bedauerlich – man müsse jedoch Realist sein.
Sie haben aber versäumt, sich nach dem aktuellen Erkenntnisstand der Naturgesetze zu erkundigen. So muss NEWTONS Vorstellungen über Gravitation und Beschleunigung modifiziert werden. Beides bedingt die nachgewiesene Konstanz der Lichtgeschwindigkeit: Die Gravitation ist nicht instantan, sondern pflanzt sich mit Lichtgeschwindigkeit fort; das Licht lässt sich nicht beschleunigen. Die moderne Physik funktioniert nur in Grenzen wie ein Uhrwerk. Die Mechanik ist lediglich ein Teil des Naturgeschehens.
EINSTEIS Raum-Zeit-Kontinuum, das auch experimentell bestätigt wurde, eröffnet völlig neue Perspektiven und zwingt zu einer neuen Sicht.
Die Dimensionen sind gewissermaßen miteinander verrechenbar (PAUL DAVIES: „Wird die Zeit gedehnt, schrumpft der Raum!“).
Als Hilfskonstruktion stellen wir uns Raum und Zeit als ein gewaltiges Meer vor. Daraus folgt: Im Universum geht nichts verloren, nichts ist vergangen, es rückt nur an eine andere Position des Raum-Zeit-Meeres.
Wir müssen uns eingestehen, dass wir mit unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen eher am Anfang, denn am Ende stehen.


 
 
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mulmi


Moderator
1119 Beiträge

Gedanken über die Vereinbarkeit von Naturwissenschaft und Sinnsuche, 11 Dec. 2008 09:52


@ Sinnsucher

Da für Sinnsprüche und Aphorismen und kurze Zitate weitestgehend die allgemeine Regel gilt ‘In der Kürze liegt die Würze!‘, und da dein Beitragstext alles andere als kurz und prägnant ist, und du ihn im Forum für Sinnsprüche und Aphorismen und Zitate veröffentlicht hast, hat er nicht wirklich in dieses Forum gepasst und ich habe ihn hierher verschoben.

LG Mulmi

Ps: In deinem Text lässt du durchklingen, dass eine Art Mangel darin besteht, dass (die) Naturwissenschaften sich nicht mit Fragen der täglichen Lebensführung beschäftigen.
Meine Anmerkung dazu:
1. Wissenschaft reduziert sich nicht nur auf (die) Naturwissenschaft(en).
und
2. Fragen wie ‘Wie könnte man ein erfülltes und glückliches Leben führen?‘ und ‘Welches Verhalten wäre moralisch wünschenswert?‘ liegen außerhalb des naturwissenschaftlichen Erkenntnisgegenstandes, und sind daher alleiniglich mittels naturwissenschaftlicher Mittel nicht zu beantworten.
Wenn du Antworten auf ‘Lebensfragen‘ wünscht, werden diese dir eher von Geisteswissenschaften wie der Ethik beantwortet.

 HomePage   http://www.geocities.com/mulmi2/philosophie-links.htm
 
 
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